Mauer durchbrochen

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Sven Schmidt mit „Right off“ ab 14.06.2019 in der Galerie M1

Heute Freitag, den 14.06.2019, um 18:00 Uhr sind Sie herzlich zur Eröffnung der großen Personalausstellung mit Malerei, Grafik und Objekten von Sven Schmidt in die Galerie M1 am Mohrenplatz 1 in Gera eingeladen.

Er hat die Mauer durchbrochen – wie er selbst sagt – was sein Alter betrifft und gibt hier sehr persönliche Einsichten in sein Leben. Sie dürfen gespannt sein, ob er auch gleich selbst seine Ausstellung eröffnet, denn er ist Künstler und zugleich der Initiator der M1 Kunstzone in Gera… und normaler Weise macht ER das bei anderen Künstlern…

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Sven Schmidt nennt seine Ausstellung „Right off“ und übersetzt sie mit „gleich los“. Warum?

Das hat mit seiner Art, seiner Einstellung, seinen Anforderungen an sich selbst, seinen Zielen… UND… mit seiner Ausbildung zu tun… Aber das kann er selbst viel besser zum Ausdruck bringen…

„Inspiration entsteht für mich aus der Arbeit heraus. Natürlich gibt es auch Anregungen. Aber erst, wenn man anfängt zu arbeiten, geht das Kraftwerk an. Es muss gleich losgehen… so wurde an der Burg gearbeitet, es gibt keine Atempause, aus dem Machen entstehen die Ideen. Eine Bildhauerin sagte einmal bei einer Ausstellungsvorbereitung, sie müsse da mal ein halbes Jahr überlegen…. Da dachte ich mir, was soll das denn??? Wir sind so ausgebildet worden mit einem so hohen Instrumentarium, dass wir starten können, egal wie das Thema heißt. Und so arbeite ich auch täglich: ich stecke mir Ziele und die will ich dann bis zum festgesetzten Zeitpunkt erreichen. Und da muss man sich auch dazu zwingen. Natürlich entstehen nicht täglich Superleistungen. Man muss sich aber eingestehen, dass zu diesem Zeitpunkt mit optimalem Einsatz das erreicht wurde und mehr ist es aber auch nicht. Dazu war man momentan in der Lage, so ist das rein rational gesehen, zu bewerten. Eine Verklärung ist dann fehl am Platz. Ich weiß also immer, was ich gemacht habe und rechne das in mir ab. Darüber referiere ich aber nicht. Meine Selbstkritik ist mein Thema und gehört nicht in die Öffentlichkeit…“, Sven Schmidt

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Die Ausstellung und worauf Sie gespannt sein dürfen…

Köpfe für Köpfe – ist ein Thema, was 1988 begann. Sven Schmidt wollte Porträts von fiktiven Personen schaffen, die in sich eine Kraft tragen und damit Köpfe für andere sind – als Identifikation. Die Ausstellung beginnt deshalb mit 2 Lithos vom Anfang – „Boy two Frank“ und wird im ersten Raum mit dem Thema über verschiedene Jahre fortgesetzt. Als 2003 seine Tochter Lilli geboren wurde und auch er – wie alle Eltern – einem großen Berg von stabilen Windel-Verpackungskartons gegenüber stand, die zu schade für die Entsogung waren, funktionierte er sie einfach zum Malgrund für eine Serie von über 100 Köpfen um. Ein 9er Block davon hängt in der Ausstellung und ist auch zum Plakatmotiv geworden.

Splitter – ist eine Radierserie von 42 Radierungen, die 2004 entstand und reflexartig Themen aufgreift, die den Künstler damals bewegten. Oft sind es zwischenmenschliche Probleme, Auseinandersetzungen, aber es tauchen auch ganz leise Momente auf. Es sind Radierungen dabei, die technisch sehr aufwendig gearbeitet wurden, z.B. die Kombinationen von Weichgrund, Aquatinta und Aussprengtechnik.

Die Landschaft – den Einstieg machen die 8 Farblithos zum Zaufensgraben – für den Künstler das Symbol für Natur. Dann gibt es einen Block mit Tuschzeichnungen, die noch nie gezeigt wurden und die Serie der schmalen Landschaftsradierungen. Und als Besonderheit – ein großes Bild der Getreidemühle der Familie Büchner in Münchenbernsdorf – was ihn als „verlorene Arbeitswelt“ mal eine ganze Zeit beschäftigte, denn eine Mühle ist auch wie eine Landschaft… eine Industrielle eben.

Das Landesstipendium – im linken Teil der Galerie finden Sie ausgesuchte Arbeiten aus den über 150, die 2018 entstanden. Im kleinen Durchgangsraum hängen ein Teil der Zeichnungen zum Thema „Falsche Fährte“, denn Sven Schmidt glaubt, dass einiges in der Welt schief läuft und nimmt in seinen Arbeiten darauf Bezug. Figur mit Boot greift ein Thema der Wendezeit auf, damals war das für den Künstler ein Aufbruch zu neuen Ufern. Jetzt steht das Ganze plötzlich unter dem Thema Flucht aus einer Heimat in eine bessere Welt. Aber haben die Flüchtlinge nicht ein Recht darauf?? Aus humanistischer Sicht gibt es da ein klares ja.

Der Raum mit „besonderen“ Arbeiten – zunächst ein Porträt, was noch nie zu sehen war: „Man in a mirror – clear spot“ – das muss man einfach selbst gesehen haben… also der Galeriebesuch bleibt spannend – trotz vieler Details, die hier dieses Mal schon verraten werden…

Und noch eine ganz persönliche Geschichte des Sven Schmidt… „Sichten“ – ein Querformat, was aus der Zeit stammt, wo er viel mit Erdfarbe vom Binsenacker gearbeitet hat (die Erde wurde mit Bindemittel angerieben und so entsteht eine Farbe). Als sein Opa das Haus 1935 baute, auf einem Plateau, stieß man beim Aushub des Kellers auf eine Feuerstelle der Steinzeit. Leider sind die Hauptfunde damals in eine Privatsammlung nach Jena gegangen und nur ein kleinerer Teil befindet sich im Naturkundemuseum in Gera (Faustkeile, Klingen, Speerspitzen…). Sven Schmidt ist also mit dem Bewusstsein aufgewachsen, an einem Ort zu leben, wo sich schon vor 10.000 den von Jahren Menschen nieder gelassen hatten. Dieser Ort ist für ihn Heimat.

„Vor kurzem hat sich das verschoben: Heimat ist die Dimension dieser Zeitspanne, das ist die eigentliche Heimat. Daraus entsteht ein ganz anderes Bewusstsein für das jetzt. Dafür bin ich enorm dankbar.“, sagt er aus heutiger Sicht.

„Figur mit Boot“ – ist eine Serie mit Bildern, die um die Wende begann, ein Aufbruch zu neuen Ufern. Bei den drei Blättern ist eines dabei, was noch nie zu sehen war. Es ist mit einer speziellen Aussprengtechnik gemacht und mit Keilitztusche. Diese Tusche war eine hochkarätige Retuschiertusche für Farbfotos, die es zu DDR Zeiten nur in Halle/Saale gab.

Und noch einige weitere Arbeiten und Themen finden Sie nur vor Ort in der Galerie… denn alles können wir hier natürlich nicht verraten…

Neugierig geworden? Prima…

Auch wenn Sie bei der Eröffnung nicht dabei sein konnten – die Initiatoren der Galerie M1 freuen sich schon auf zahlreiche Besucher während der kommenden 6 Wochen…

Ausstellungsdauer:

14.06. – 28.07.2019

Öffnungszeiten:

Di-Fr   13:00 – 18:00 Uhr

Sa, So 12:00 – 18:00 Uhr

Galerie “M1-Kunstzone”,
Gera, Mohrenplatz 1

Kontakt:

Telefon 0365 – 800 61 75
kontakt@galerie-m1.de
www.galerie-m1.de
www.kunstzone-gera.de

© geschrieben von Heike Werner-Reinbold

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