Passage der Demokratie

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Die Intension: Demokratie in den öffentlichen Raum bringen

Ein Außergewöhnliches Projekt! Die Passage Sorge 24 in Gera machte in den letzten Jahren einen depressiven Eindruck. Die Kunstzone Gera wollte das ändern und reichte das Projekt: Passage der Demokratie! ein.

Trotz Pandemie mit zweifacher Lockdown Ausführung, wurde die Passage realisiert. Im Rahmen des Bundesprogrammes Demokratie leben! bekam die Kunstzone Gera e.V. den Zuschlag für die eingereichte Idee, die Passage temporär zu gestalten.

Dahinter steckt der Gedanke, das Thema Demokratie in den öffentlichen Raum zu bringen und nebenbei einen Ort zu gestalten, der bisher nicht sonderlich anmutend wirkte – die Passage Sorge 24 in Gera.

Noch vor dem 1. Lockdown im Frühjahr 2020 begannen die Kinder der 3. Klasse der Schule am Bieblacher Hang, für das Projekt an ihren Bildern zu arbeiten und es fanden erste Gespräche im Goethegymnasium statt. Dann kam der erste Stopp.

Die Kunsterzieherin des Goethegymnasiums, Heike Wallstabe, startete mit inhaltlicher Unterstützung des Künstlers Sven Schmidt von der Kunstzone Gera, einen Aufruf innerhalb des Gymnasiums. Was dann passierte, war außergewöhnlich.

Fast 100 Kinder von der 5. Klasse bis zur Abiturstufe reichten Ihre Arbeiten zum Thema Demokratie und Porträt ein. Mit den Kindern vom Bieblacher Hang haben sich an dem Projekt 129 Kinder und Jugendliche beteiligt. Daraus entstand eine riesige Collage auf 6 Tafeln, die am Montag, dem 16.11.2020 montiert wurde. Eine Tafel trägt ein Gedicht der mosambikanischen Künstlerin Lourdes Silva, das in poetischer Form Demokratie beschreibt. Die Sammlung ergänzen noch einige frühere, exemplarische Arbeiten von Kindern der Pfortener Schule.

Am 16.11.2020 wurde in kleiner Runde dieses Kunstobjekt dann der Öffentlichkeit übergeben. Auf Grund der Pandemie konnten die Kinder leider nicht anwesend sein. Doch auch unter normalen Bedingungen würde allein die Zahl (129) die Passage sprengen. Aber die verantwortlichen Lehrer waren, soweit es ihr Unterricht erlaubt hat, anwesend.

Natürlich wurde die Entstehung dieses Projektes – innerhalb des Programmes Demokratie leben! – in Fotos dokumentiert. Beginnen wir mit der Betrachtung der Verwandlung…

Noch 2 Tage vor der Übergabe „zierten“ Spinnweben, Zigarettenkippen und Schmierereien in „berauschender“ Hülle und Fülle… die Passage:

Und natürlich brauchte es mehrere Genehmigungen, die eingeholt werden mussen, um das Projekt realisieren zu können. Vielen Dank an den Fachdienst Kultur der Stadt Gera für die Unterstützung.

„Auf die Klarstellung allerdings, wer nun eigentlich für diesen öffentlichen Raum zuständig ist – der Eigentümer oder die Stadt – wollten wir nicht warten und haben selbst losgelegt und die Grundlagen für das Kunstprojekt geschaffen, damit es am 16.11. montiert werden konnte. Eigentlich ist es nicht unsere Aufgabe, Teile zu renovieren, aber es wäre anspruchslos gewesen, die Arbeit der Kinder und Jugendlichen einfach auf den vorhandenen Dreck zu montieren. Das hat etwas mit Respekt zu tun und deshalb haben wir gestalterisch zugeschlagen. Geplant war, dass dabei Jugendliche mit helfen, allerdings hat das der 2. Lockdown vereitelt.“, berichtet Sven Schmidt, Initiator der Kunstzone Gera.

Hier ist das Team bei der Arbeit zu sehen… die neue Passage entsteht…

Im letzten Bild sieht man die Decke, die vorher voller Spinnwebennester war. Besonderen Dank gilt hier der Kunsterzieherin Heike Wallstabe, die das, obwohl sie eine Aversion gegen Spinnen hat, mit einem „High Tec Teleskop Reiniger“ realisierte. Allein diese Aktion brachte einen 100% Gewinn für eine freundlichere Optik des Durchgangs. (Manchmal fragt man sich, warum manche Dinge im öffentlichen Raum in ihrer abstoßenden Verkommenheit einfach so hingenommen werden?)

Und dann kam der spannende Moment… und die Kunst…. hier einige Fotos…

Eine der Tafeln trägt ein Gedicht der Mosambikanischen Künstlerin Lourdes Silva, deren Arbeiten auch schon in der Galerie M1, am Mohrenplatz 1, zu sehen waren. Es stammt aus dem Buch „Das ist unsere Demokratie!“ und ist die afrikanische Sicht auf das Thema… sehr poetisch und stark und es muss unbedingt aus dem Buch raus in die Öffentlichkeit. Mosambik gehört leider zu den ärmsten Ländern dieser Erde. Geprägt durch Kolonialismus, Diktaturen und Bürgerkrieg, ist das Land erst jetzt eine sehr junge und noch gefährdete Demokratie. Und deshalb trägt dieses Gedicht so viel Hoffnung in etwas, was bei uns Normalität ist. Diese Stimme erinnert und ermahnt uns, was für ein hohes Gut wir bereits besitzen!

Demokratie kann man nicht bestellen, man kann sie nicht kaufen, man muss sie gestalten und man muss daran arbeiten, seinen Beitrag leisten. Und dazu haben wir uns mit diesem Projekt aufgemacht. Unser Dank geht an alle Kinder und Jugendlichen, die sich daran beteiligten (129!!!), an die wunderbaren Lehrer und Direktorinnen der Schulen (Schule am Bieblacher Hang, Pfortener Grundschule, Goethegymnasium), das Kulturamt und natürlich an das Bundesprogramm Demokratie leben!, sowie die Geraer Jury, die dem Projekt den Zuschlag gab. Und danke an Heike Schrepel, die heute die Beschreibung dafür fand: Strukturiertes Chaos! Mir persönlich gefällt das sehr gut…das passt zur GSG 9 der Kunst.“ so das Statement von Sven Schmidt.

Nun – die Passage steht! Und der MDR hat im Thüringen Journal bereits über dieses Projekt berichtet. Danke auch für die vielen Zuschriften und Anerkennungen zu den Infos darüber …nach Baden-Württemberg, Nürnberg, Apolda, Radebeul, Jena, Friedrichshafen und an die vielen Geraer – eine unglaubliche Resonanz, die uns besonders freut. Danke auch an Petra Wagner von Werbung Wagner für die Realisierung.

Mit der Passage ist die Demokratie im öffentlichen Raum angekommen. Und einmal mehr sorgt die Kunstzone Gera e.V. mit diesem Projekt für die künstlerische Bereicherung des Geraer Stadtbildes. Danke an alle Beteiligten für die gelungene Umsetzung.

Initiator: Sven Schmidt, Kunstzone Gera e.V

Galerie “M1-Kunstzone”,
Gera, Mohrenplatz 1

Kontakt:

Telefon 0365 – 800 61 75
kontakt@galerie-m1.de
www.galerie-m1.de
www.kunstzone-gera.de

© geschrieben von Sven Schmidt, Heike Werner-Reinbold